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  • Finanzierungsvolumen von insgesamt 5,2 Milliarden Euro
  • Ein Drittel davon für höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Pandemie
  • 41 Prozent für Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit – 2020 damit Rekordjahr für grüne EIB-Finanzierungen in Polen
  • Innovationsförderung unter anderem für Erneuerbare-Energien-, Mobilitäts- und Biotechnologie-Projekte

Die EIB-Gruppe hat die polnische Wirtschaft in einem von der Coronapandemie geprägten Jahr weiterhin tatkräftig unterstützt: Insgesamt 5,2 Milliarden Euro flossen in den öffentlichen und privaten Sektor des Landes. Dieses Volumen liegt weitgehend im Trend der Vorjahre, was zeigt, dass Polen rasch auf die Krise reagiert hat und trotz des Abschwungs unbeirrt in die Zukunft investiert.

4,6 Milliarden Euro entfielen auf Darlehen der EIB. Weitere 660 Millionen Euro waren Garantien und Eigenkapitalfinanzierungen des Europäischen Investitionsfonds (EIF) für kleine, mittlere und Midcap-Unternehmen. In absoluten Zahlen war Polen nach Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland der fünftgrößte Empfänger von Finanzierungen der EIB-Gruppe unter den 27 EU-Ländern.

Die Finanzierungen entsprechen insgesamt rund 1 Prozent des polnischen BIP. Damit nimmt das Land gemessen am BIP-Anteil den ersten Platz unter den 15 größten EU-Volkswirtschaften ein.

Teresa Czerwińska, EIB-Vizepräsidentin mit Aufsicht über die Finanzierungen der Bank in Polen: „Wenn wir etwas vom letzten Jahr lernen können, dann das: Soforthilfemaßnahmen können und müssen von Investitionen in die Zukunft flankiert sein. Es spricht für sich, dass die EIB-Gruppe 2020 nicht nur ihr hohes Niveau bei den Finanzierungen für die polnische Wirtschaft halten konnte, sondern auch rund ein Drittel ihrer Mittel für coronabezogene Initiativen und etwa 40 Prozent für Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit bereitgestellt hat. Wir haben unsere grünen Finanzierungen ausgeweitet und werden das in diesem Jahr weiter tun – parallel zur Pandemiehilfe für den öffentlichen und privaten Sektor. Grüner Wiederaufbau und Innovationsförderung sind gemeinsame Ziele Polens und der EIB.“

Tadeusz Kościński, Polens Minister für Finanzen, Entwicklungsfonds und Regionalpolitik: „Nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz sind für Polen sehr wichtige Ziele. Die Coronapandemie hat klar gezeigt, dass wir auch viel mehr in Digitalisierung investieren müssen. Für die Digitalisierung unserer Volkswirtschaften kommt es entscheidend darauf an, dass wir Spitzentechnologien entwickeln. Diese werden auch den Bürgerinnen und Bürgern bei ihrer Arbeit und ihren sozialen Aktivitäten helfen. Ich würde mich freuen, wenn die EIB Polen bei der Finanzierung unserer digitalen Projekte zur Seite steht.“

Coronamaßnahmen

Die EIB unterstützte den Antikrisenplan der Regierung zur Bekämpfung der Pandemie und ihrer wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Im September vergab sie deshalb zur Finanzierung von Coronamaßnahmen ein Darlehen von 650 Millionen Euro an das Finanzministerium. Ein Meilenstein war im Dezember ein Projekt mit dem Entwicklungsfonds Polski Fundusz Rozwoju (PFR): Die EIB beteiligte sich an Anleihekäufen in Höhe von 500 Millionen Zloty (110 Millionen Euro) für das Schutzschildprogramm, eine wichtige landesweite Initiative, die bei einer schweren wirtschaftlichen Störung Arbeitsplätze und den Zugang zu Finanzierungen sichern soll. Anfang Februar 2021 wurde ein zweites Anleihekaufprogramm über zwei Milliarden Zloty unterzeichnet.

Darüber hinaus wurden Darlehen an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und an Kommunen ausgereicht. Der Biotech-Sektor wurde mit einem Darlehen von zehn Millionen Euro an Scope Fluidics gefördert. Diese Finanzierung trägt zur Diagnostikaforschung unter anderem für Infektionskrankheiten wie Covid-19 bei.

Die Finanzierungen der EIB-Gruppe für Projekte und Initiativen im Rahmen der polnischen Coronamaßnahmen machten 2020 insgesamt rund ein Drittel aller Finanzierungen für das Land aus.

Grüner Wiederaufbau, Energiewende und Mobilität

Die EIB förderte im letzten Jahr verstärkt die Energiewende in Polen. Mit Pomerania Wind Farm, einer Tochtergesellschaft der litauischen Ignitis Renewables-Gruppe, und mit dem deutschen Entwickler wpd AG wurden zwei größere Projekte für den Bau von Festland-Windparks unterzeichnet. Das zweite Projekt wurde gemeinsam mit der Landesbank Baden-Württemberg finanziert. Es wird auch vom Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) unterstützt.

Die EIB unterzeichnete außerdem mit Energy Solar Projekty ihr erstes Projekt für den Bau von Solaranlagen. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft des Energy and Infrastructure SME Fund, der von der litauischen Investmentgesellschaft Lords LB Asset Management verwaltet wird.

Zwei weitere 2020 unterzeichnete Projekte trugen dazu bei, rund um Breslau ein Ökosystem für die Produktion von Batterien für Elektrofahrzeuge aufzubauen. Im März unterzeichnete die EIB einen Darlehensvertrag über 480 Millionen Euro mit LG Chem Wroclaw Energy, der polnischen Tochter der LG Chem-Gruppe. Mit den Mitteln will das Unternehmen hoch automatisierte, innovative Produktionsanlagen bauen und betreiben, um moderne Lithium-Ionen-Zellen und ‑Batterien für Elektrofahrzeuge herzustellen. Im Juni vergab die Bank ein Darlehen von 125 Millionen Euro an den weltweit operierenden belgischen Materialtechnologie- und Recyclingkonzern Umicore. Finanziert wird damit das neue Werk für die Herstellung von Kathodenmaterialien, die an Hersteller von High-Tech-Lithium-Ionen-Batterien wie LG Chem geliefert werden.

Die EIB finanzierte weiter die Pläne polnischer Städte und Regionen für nachhaltige Entwicklung und Revitalisierung. 2020 erhielten 17 Städte und Regionen Darlehen der EIB über insgesamt 4,4 Milliarden Zloty (umgerechnet rund 1 Milliarde Euro). Das erste EIB-Darlehen an eine Stadt mit weniger als 100 000 Einwohnern (Ostrów Wielkopolski) wurde im September unterzeichnet. Grundlage ist ein gemeinsames Finanzierungsprogramm mit der polnischen Förderbank BGK. Im Rahmen eines Ende 2020 genehmigten neuen 700-Millionen-Zloty-Programms für kleine und mittelgroße Kommunen sollen weitere Darlehen dieser Art folgen.

Die EIB förderte außerdem einen umweltfreundlichen öffentlichen Nahverkehr in Städten wie beispielsweise die U-Bahn in Warschau, Straßenbahnen in Krakau und Pendelzüge in der Dreistadt Danzig–Gdynia–Sopot. Auch die polnischen Schienennetzbetreiber PLK und PKP Cargo wurden unterstützt.

Insgesamt machten die Projekte für Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit 2020 41 Prozent aller Finanzierungen der EIB-Gruppe in Polen aus und erreichten damit einen Rekordstand.

EFSI: Polens Anteil an der Erfolgsgeschichte des Juncker-Plans

Polen war ein wichtiger Empfänger von Mitteln aus dem Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI). Der Fonds war das Kernstück der Investitionsoffensive für Europa (Juncker-Plan), einer gemeinsamen Initiative der EIB und der Europäischen Kommission zwischen 2015 und 2020.

Die unter EFSI genehmigten Finanzierungen beliefen sich zum 31. Dezember 2020 auf 4,2 Milliarden Euro (davon 276 Millionen Euro im Jahr 2020). Damit sollen Investitionen von 21,9 Milliarden Euro mobilisiert werden. Polen belegt somit volumenmäßig den fünften Platz unter den EU-Ländern. Die EIB-Gruppe will das Potenzial des Programms InvestEU, des EFSI-Nachfolgers im EU-Haushalt 2021–2027, voll ausschöpfen.

Die EIB in Polen

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