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  • Über 200 Unternehmen aus Entwicklungsländern haben in den vergangenen drei Jahren Kapital erhalten
  • 2X Challenge übertrifft ursprüngliches Ziel um 100 Prozent und wirbt 7 Milliarden Euro zwischen 2018 und 2020 ein
  • Neues Ziel von 15 Milliarden Euro für Ende 2022 angestrebt

Die von den Entwicklungsfinanzierungsinstituten der G7-Länder ins Leben gerufene 2X Challenge hat heute bekannt gegeben, dass sie 15 Milliarden US-Dollar für genderorientierte Investitionen mobilisieren will. Der ursprüngliche Zielwert wurde bereits um 100 Prozent übertroffen.

Beim Start der neuen 2X Challenge hieß es heute, dass dank neuer Mitglieder bis Ende 2022 mindestens weitere 15 Milliarden US-Dollar angestrebt werden.

Die Organisation hat eigenen Angaben zufolge zwischen 2018 und 2020 insgesamt sieben Milliarden US-Dollar aufgebracht und weitere drei Milliarden US-Dollar von privaten Investoren eingeworben, die erkannt hatten, wie wichtig Investitionen in Frauen in Entwicklungsländern sind.

In den vergangenen drei Jahren haben über 200 Projekte die Kriterien für 2X-Finanzierungen erfüllt. Der Großteil dieser Finanzierungen ging an lateinamerikanische Unternehmen. Auf Rang zwei lagen Unternehmen aus Subsahara-Afrika, wo sich das Finanzierungsvolumen in den vergangenen zwölf Monaten vervierfacht hat.

Die Gründungsmitglieder der 2X Challenge erklärten heute, das deutlich ehrgeizigere Ziel belege den Erfolg genderfokussierter Investitionen: Frauen erhalten so Zugang zu qualifizierten Arbeitsplätzen sowie Hilfe beim Aufbau solider Unternehmen und bei der Bewältigung der Covid-19-Folgen.

Bogolo Kenewondo, eine renommierte Ökonomin und frühere Ministerin für Investitionen, Handel und Industrie in Botsuana, sagte anlässlich der Vorstellung des neuen 2X -Ziels: „Die Entwicklung und Umsetzung von Konjunkturpaketen nach der Covid-19-Pandemie bietet eine einmalige Chance, eine strukturelle Transformation der Wirtschaft voranzutreiben, in der Frauen eine stärkere Rolle in der Wirtschaft spielen. Wir sollten diese Gelegenheit nicht verpassen.“

Schon vor der Pandemie hatten Frauen in Schwellenländern deutlich weniger wirtschaftliche und unternehmerische Möglichkeiten als Männer. Covid-19 hat diese Situation noch verschärft. Neuen Studien zufolge könnte das Wachstum weltweit um eine Billion US-Dollar niedriger ausfallen, wenn Frauen, die in den von der Pandemie am stärksten betroffenen Sektoren tätig waren, nicht in die Arbeitswelt zurückkehren.

Es gibt zunehmend Belege, dass eine effiziente Unterstützung von Frauen – sei es als Unternehmerinnen, Führungskräfte, Arbeitskräfte oder Konsumentinnen – für mehr Geschlechtergerechtigkeit sorgt, Armut reduziert und ein Wirtschaftswachstum ermöglicht, an dem alle teilhaben. Frauen sind ein größerer Wachstumsmarkt als China und Indien zusammen.

Jessica Espinoza, Vorsitzende der 2X Challenge und Vizepräsidentin (Investments) bei der DEG: „Die 2X Challenge wird genderorientierte Finanzierungen künftig deutlich ausweiten. Das wird beim Wiederaufbau nach der Covid-19-Pandemie entscheidend zum Entstehen gerechter, krisenfester und nachhaltiger Volkswirtschaften beitragen. Investitionen in Frauen sind geschäftlich sinnvoll – und helfen, alle anderen UN-Entwicklungsziele zu erreichen.“

EIB-Vizepräsident Thomas Östros: „Der bemerkenswerte Erfolg der 2X Challenge belegt, wie wichtig diese Investitionen für die Schaffung einer gerechteren und inklusiveren Gesellschaft sind. Ich bin sehr stolz, dass die EIB als erste multilaterale Entwicklungsbank die Kriterien der 2X Challenge übernommen hat und dass sich jetzt weitere Mitglieder dieser Initiative anschließen. Gemeinsam können wir nun größer planen und anhand der 2X-Kriterien dafür sorgen, dass wir in die richtigen Projekte und Menschen investieren, die die wirtschaftliche Teilhabe und Gleichstellung von Frauen vorantreiben. So können wir zu einer rascheren wirtschaftlichen Entwicklung beitragen, Armut bekämpfen und unserer Aufgabe als Bank der EU gerecht werden.“

Die 2X Challenge wurde von CDC (Großbritannien), Proparco (Frankreich), JICA und JBIC (Japan), DFC (USA), FinDev Canada (Kanada), DEG (Deutschland) und CDP (Italien) gegründet. Seither haben sich weitere Entwicklungsfinanzierungsinstitute angeschlossen, darunter Swedfund (Schweden), FinnFund (Finnland), FMO (Niederlande), SIFEM (Schweiz), IFU (Dänemark), BIO (Belgien) und als erste multilaterale Institution die Europäische Investitionsbank (EIB). In einer neuen Erweiterungsrunde beteiligen sich jetzt auch die International Finance Corporation (IFC), ein Mitglied der Weltbankgruppe, die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) und die Oesterreichische Entwicklungsbank (OeEB).

Zu den zentralen Elementen der Initiative gehört die Einführung der 2X-Kriterien, die sich rasch zu einem globalen Branchenstandard für genderorientierte Investitionen und zu einem Gütesiegel entwickelt haben. Kürzlich wurden die 2X-Kriterien auf den bekannten DAC Gender Equality Policy Marker der OECD abgestimmt. So werden genderfokussierte Finanzierungen weiter harmonisiert und vergleichbarer.

Im Rahmen des Programms wurde z. B. PEG Africa gefördert, ein Unternehmen, das in Westafrika Solarenergiesysteme für Wohnhäuser anbietet. Die britische CDC hat 12,5 Millionen Dollar in dieses Projekt investiert. Dank der 2X Challenge hat das Unternehmen in Ghana den Anteil der Frauen in Führungspositionen von 22 auf 44 Prozent verdoppelt.

Ein weiteres Beispiel ist ENDA Tamweel, das führende Mikrofinanzinstitut in Tunesien. Das Unternehmen hat von mehreren Entwicklungsfinanzierern 2X-Mittel erhalten, um Frauen einen besseren Zugang zu Mikrokrediten zu verschaffen. Seit 1995 hat Enda Tamweel über 2,8 Millionen Mikrokredite an 730 000 Kleinstunternehmen ausgereicht. Anfang 2018 betreute das Institut über 86 standortgebundene und drei mobile Filialen landesweit 337 000 Kleinstunternehmen.

Wenn Sie an der Auftaktveranstaltung der 2X Challenge teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte hier an.

Hintergrundinformationen

Die 2X Challenge

  • Die 2X Challenge wurde von den Entwicklungsfinanzierungsinstituten der G7-Länder ins Leben gerufen, damit  mehr Kapital in Investitionen fließt, die Frauen in Entwicklungsländern den Einstieg in eine unternehmerische Tätigkeit oder Führungsposition, den Zugang zu qualifizierten Arbeitsplätzen sowie zu Produkten und Dienstleistungen ermöglichen, die ihre wirtschaftliche Teilhabe gewährleisten. Weitere Informationen über die 2X Challenge: https://www.2xchallenge.org/.

Welche Kriterien müssen für eine 2X-Finanzierung erfüllt sein?

  • Das Unternehmen wird mehrheitlich von Frauen gehalten oder von einer Frau gegründet
  • Anteil von Frauen in Führungspositionen oder im Vorstand
  • Anteil von Frauen an der Belegschaft
  • Ein Produkt oder eine Dienstleistung, das/die sich besonders oder überproportional an Frauen richtet
  • Bei Darlehen an Finanzintermediäre: ein bestimmter Prozentsatz des Darlehens für ein Projekt kommt Frauen zugute

Die Schwellenwerte für den prozentualen Anteil von Frauen an der Belegschaft sind je nach Sektor unterschiedlich; wenn in einem Sektor regelmäßig weniger Frauen beschäftigt sind, liegen auch die Schwellenwerte niedriger. Ein Projekt muss mindestens ein Kriterium erfüllen, um in Frage zu kommen; häufig erfüllen die Projekte jedoch mehrere Kriterien.