Ein niederländisches Unternehmen entwickelt Software, um Cyberangriffe auf Unternehmen und Staaten im Vorfeld abzuwehren

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Joep Gommers, CEO von EclecticIQ ©EIB

Seine Altersgenossen spielten Fußball oder hingen mit Freunden ab. Nicht so Joep Gommers – er bastelte an seiner Karriere in der Cybersicherheit.

„Schon mit 15 war ich voll im Thema“, erzählt Joep Gommers, 37. So war es nur logisch, dass er später EclecticIQ gründete, eine europaweit führende niederländische Cybersicherheitsfirma. „Mit Cyberbedrohungen kam ich in verschiedenen Jobs früh in Berührung. Ich lernte schnell, dass wir keine Kontrolle über unsere Daten haben, die wir online teilen.“

Immer mehr Menschen, Unternehmen und Staaten werden jedes Jahr Opfer von Cyberattacken. Millionen von Menschen nutzen das Internet und digitalisierte Prozesse, die das Leben erleichtern. Aber damit setzen sie sich noch nie da gewesenen Gefahren aus. Cybersicherheit kostet die Wirtschaft Jahr für Jahr Milliarden von Dollar. Laut Gommers und anderen Branchenexperten verschärft sich das Problem zusehends.

Die Europäische Union hat das Thema Cybersicherheit deshalb zur Priorität ausgerufen. So verabschiedete die Europäische Kommission spezielle Richtlinien und 2020 auch eine neue Strategie, um die Cybersicherheit in Europa zu stärken. Die Europäische Investitionsbank vergibt immer mehr Finanzierungen in diesem Bereich. Ein Beispiel ist ein Kredit von 15 Millionen Euro, den sie im August unter dem Europäischen Fonds für strategische Investitionen an EclecticIQ vergab. Damit will die Cyberfirma von weltweit 100 auf fast 150 Beschäftigte aufstocken und ihre neue Plattform weiterentwickeln, die auf „Threat Intelligence“-Software beruht. Über die Plattform können öffentliche und private Unternehmen Gefahren aufdecken, bevor sie echten Schaden anrichten. Kommt es dann tatsächlich zu einer Attacke, sind sie gewappnet und können die Angreifer schneller abwehren.

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Cody Barrow, Leiter Threat Intelligence bei EclecticIQ ©EIB

Immer einen Schritt voraus

EclecticIQ hat alle Hände voll zu tun, um Cyberangreifern immer voraus zu sein. Die Bedrohungen bei der Arbeit und zu Hause sind unglaublich vielfältig. Sich gegen alle zu schützen ist ein aussichtsloses Unterfangen.

Cody Barrow, zuständig für Threat Intelligence und Produktmanagement bei EclecticIQ: „Wir schützen unsere Kundinnen und Kunden, indem wir auf Informationen bauen.“ Ziel der Softwareplattform sei es, Organisationen den entscheidenden Vorsprung vor Angriffen zu verschaffen und die Angreifer zu überlisten.

Laut Fouad Bitar, Senior Advisor bei der Europäischen Investitionsbank, sind gute Daten, die in proaktive, verwertbare Informationen umgewandelt werden, der Schlüssel zu EclecticIQs Erfolg:

„Informationen über Cyberbedrohungen ermöglichen es, alle Arten von Daten zu sammeln und zu analysieren.“ Mit Diensten wie der „automatisierten Datenaufnahme, Datenverknüpfung und Datenverbreitung“ versetzt die Software die Analysten in die Lage, Bedrohungen besser zu erkennen und Informationen über ihre Abwehr zu teilen.

Privatunternehmen und Staaten müssen vor allem Daten und sensible Informationen schützen. Cyberangreifer können Geschäftsgeheimnisse und -technologien stehlen, die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Firmen schädigen und damit ihren Erfolg auf internationaler Ebene verhindern. Erpressersoftware, Spionage und die Verbreitung von Fake News gehören zu den häufigsten Bedrohungen. Sie können Unternehmen destabilisieren und sogar den demokratischen Prozess gefährden.

„Das ist eine ganz neue Art von Krieg“, meint Francisco Alves da Silva, Kreditreferent bei der Europäischen Investitionsbank. „Es ist heute relativ einfach, ein Land von der Energieversorgung abzuschneiden oder geistiges Eigentum zu stehlen.“

Covid-19: Neue Einfallstore für Hacker

  • Mehr Menschen arbeiten zu Hause
  • Private Handys und Laptops werden stärker genutzt
  • Unter diesen neuen Bedingungen haben Viren und Schadsoftware leichteres Spiel
  • Unternehmen und Staaten wenden mehr Zeit und Geld auf, um Angriffe zu stoppen

In der Coronakrise arbeiten viele Menschen zu Hause. Hacker nutzen das aus, um mit neuen Viren und Schadsoftware mehr Angriffe auf private Handys und Laptops zu starten. Deshalb wenden Unternehmen und Staaten mehr Zeit und Geld für Cybersicherheit und die Abwehr häufigerer Angriffe auf. Um der steigenden Nachfrage nachzukommen, verzichtet EclecticIQ auf zeitraubende Flugreisen, steigt auf Online-Support und Videoschulungen um und verbessert kontinuierlich die Technologie.

Im regelmäßigen Wechsel zwischen Homeoffice und Büro gelten weiterhin die gleichen Vorsichtsmaßnahmen, so Gommers. Einfache Lösungen sind oft die besten: Verschiedene Passwörter für verschiedene Konten, Vorsicht bei der Nutzung einer neuen App oder beim Öffnen einer seltsamen E-Mail. Nicht alle passen bei Cyberbedrohungen gut auf.

 „Leider stellen viele die Bequemlichkeit über die Sicherheit“, sagt Gommers.