HeHop zeichnet Beweise für häusliche Gewalt auf und speichert sie in der Blockchain. So steigen die Chancen auf eine Verurteilung vor Gericht

Sandy Beky hörte bei einer Konferenz im Sommer 2018 einen Vortrag über häusliche Gewalt des Generalstaatsanwalts des Pariser Berufungsgerichts. Was sie hörte, erschütterte sie zutiefst.

Laut dem Generalstaatsanwalt erleiden die Opfer ein zusätzliches Trauma, wenn ihre Angreifer aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden. Die meisten Missbrauchstäter werden nicht einmal strafrechtlich verfolgt. „So kam mir die Idee für HeHop", sagt Beky.

HeHop (kurz für Help for Hope) ist eine Smartphone-App, mit der Opfer von Missbrauch oder Gewalt Fotos machen oder Audio- und Videodateien aufnehmen können. Diese Dateien werden dann verschlüsselt in einer speziellen Blockchain-Datenbank gespeichert. Damit sind sie fälschungssicher und möglicherweise als Beweismittel in einem Gerichtsverfahren zulässig.

„Die Opfer sollen Aufnahmen machen können, die als Beweismittel vor Gericht zugelassen sind, weil ihre Glaubwürdigkeit und Echtheit nicht angezweifelt werden können“, so Beky.

Jede dritte Frau hat bereits irgend eine Art von häuslicher Gewalt erlebt, aber nur 14 Prozent dieser Vorfälle werden der Polizei gemeldet.

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Sandy Bekys mobile App hilft Missbrauchsopfern, Beweise zu sammeln, falls ein Missbrauch vor Gericht kommt ©HeHop

Einzigartig durch Blockchain

Ein Blick auf Bekys Lebenslauf verrät, dass sie vor neuen Herausforderungen nicht zurückschreckt. Sie wuchs in Madagaskar auf und lebte in Belgien, Italien, Großbritannien und den Vereinigten Staaten. In Paris gründete sie das Start-up Kyosei Solutions Lab, das Workshops und Trainings zu innovativen Management- und Führungsmodellen anbietet.

Bekys Projekt einer Blockchain-App war ungewöhnlich. Blockchain ist die Basis von Bitcoin und wird außerdem genutzt, um Transaktionen in Lieferketten aufzuzeichnen und die Abläufe in großen Unternehmen zu verbessern. Beky suchte Menschen in ihrem Umfeld, die ihr bei ihrem Plan helfen könnten. Dabei stieß sie auf Marc Couloigner, einen französischen Blockchain-Experten. Er war begeistert von der HeHop-Idee und wurde Mitbegründer der Pariser Non-Profit-Organisation. Gemeinsam mit einem kleinen Team entwickelten sie die App.

Im Juni 2020 ging He Hop schließlich an den Start. Die App ist kostenlos und derzeit nur in Frankreich verfügbar.

Dort setzen mehrere Kommunen und Polizeibehörden sie in Pilotprojekten ein. Rund 700 Personen haben die App heruntergeladen, und mehr als 3 500 Dateien wurden in die Blockchain hochgeladen.

2019 gewann HeHop den Wettbewerb für soziale Innovation, mit dem das EIB-Institut Unternehmen unterstützt, die kreative Lösungen für gesellschaftliche Probleme anbieten.

Geplante Neuerungen

Mit der App können bis zu 20 Minuten Audio- und 5 Minuten Videomaterial sowie Fotos aufgenommen werden. Nach der Aufnahme werden die Dateien automatisch in der Blockchain-Datenbank gespeichert. Die Aufnahmedauer musste begrenzt werden, damit die Dateien problemlos hochgeladen werden können, so Beky. Sofort danach ist die App für weitere Aufnahmen bereit.

Zurzeit arbeitet das HeHop-Team an Verbesserungen. Künftig soll die App auch ferngesteuert werden können, entweder über ein Schlüsselwort oder einen Fernbedienungsknopf in der Tasche. So lässt sich die App im Ernstfall gefahrloser und einfacher aktivieren, ohne den Täter zu warnen.

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Die HeHop-App nimmt Beweismaterial auf, das vor Gericht Bestand haben könnte ©HeHop

HeHop ist auf die Unterstützung durch staatliche und private Geldgeber in Frankreich angewiesen. Die Organisation sucht in mehreren weiteren Ländern nach Geldgebern, damit die App bald auch in Spanien, Großbritannien oder der Schweiz verfügbar ist.

Zentrales Ziel von HeHop ist es, die Spirale der häuslichen Gewalt zu beenden: Der Missbrauch soll für die Täter Folgen haben. Laut Beky bietet HeHop keine psychologische Unterstützung, dennoch spielt die App eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der Opfer.

„Die App kann helfen, ausreichende Beweise zu sammeln. So wissen die Nutzer zumindest, dass ihnen geglaubt wird und ihre Geschichten nicht angezweifelt werden“, sagt sie.

„Wir kennen ein Opfer, das über Jahre immer wieder Anzeige erstattet hat, die jedes Mal abgewiesen wurde. Letztes Jahr im November nahm sie mit HeHop eine Audiodatei auf. Jetzt wird gegen den Täter strafrechtlich ermittelt.“

Weitere Informationen zu HeHop finden Sie auf der Website des Unternehmens, auf Facebook und Twitter.