Dank der von MIWA entwickelten App und smarten Becher können Läden ihre Produkte unverpackt an Kunden abgeben

Ein tschechisches Unternehmen hat sich eine einfache Frage gestellt: Wie können wir die Lieferkette so verändern, dass Einwegverpackungen gar nicht erst entstehen?

MIWA, kurz für Minimum Waste, hat Verpackungen entwickelt, die die üblichen Plastik- und Papierbehälter in Lebensmittelläden und beim Transport überflüssig machen. Systeme wie das von MIWA könnten einen Großteil der fast 175 Kilogramm Verpackungsmüll reduzieren, die jährlich pro Kopf in der Europäischen Union anfallen.

 

Gegründet wurde MIWA von Petr Baca, der früher Konzerne wie Proctor & Gamble und Nestlé beriet: „Meine Kinder haben mich dazu bewegt, etwas für die Nachhaltigkeit zu tun. Zudem hat mir mein früherer Job als Verpackungsdesigner bewusst gemacht, wie viel Müll durch herkömmliche Verpackungen entsteht. Ich dachte, dass sich mit der heutigen Technologie sicher für alle Glieder der Lieferkette eine verpackungslose Lösung finden lässt – von der Produktion über den Transport bis hin zum Ein- und Verkauf.“

Sein Unternehmen mit Sitz in Prag stellt robuste Plastikbehälter für Produkte wie Linsen, Nudeln und Getreide, Tiernahrung und Waschpulver her. Nach ihrer Befüllung werden die Behälter, von MIWA als Kapseln bezeichnet, von den Herstellern an die Supermärkte geliefert, wo sich die Kunden ihre Produkte direkt „abzapfen“ können.

Smarte Becher schließen den Recyclingkreislauf

Dank des platzsparenden Designs der Kapseln kann Raum effizient genutzt werden – beim Transport und in den Läden. Jede Kapsel ist mit einem winzigen Chip versehen, der Informationen zum Inhalt liefert. All diese Angaben wie Produktart, Verfallsdatum, Hersteller, Nährwert und sogar Rezepte sind online abrufbar.

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Spezielle Becher erfassen die gekauften Produkte und senden die Informationen an ein Smartphone ©MIWA

Beim Einkauf kommen wiederverwendbare „smarte Becher“ zum Einsatz, die mit den Kapseln in den Läden kommunizieren. Die MIWA-App liefert Informationen über das Produkt und sogar über den Becher. Sie gibt auch an, wie oft er schon benutzt wurde.

Kundinnen und Kunden können den Becher wiederverwenden oder beim nächsten Ladenbesuch gegen einen neuen eintauschen. Vor neuem Gebrauch werden die Kapseln und Becher von MIWA gereinigt und aufbereitet. Abgenutzte oder kaputte Kapseln und Becher gehen zum Recycling an das Unternehmen zurück.

MIWA gehörte 2018 zu den Finalisten des Wettbewerbs für Soziale Innovation. Damit fördert das EIB-Institut kreative Projekte, die Lösungen für ökologische und gesellschaftliche Probleme bieten. Das Unternehmen hat mehrere weitere Auszeichnungen erhalten, u. a. den New Plastics Economy Innovation Prize der Ellen MacArthur Foundation.

Innovative Bestandsverfolgung

Das 2015 gegründete Unternehmen ist inzwischen auf 20 Beschäftigte angewachsen und in Tschechien sowie mit Pilotprojekten auch in der Schweiz und Österreich tätig. Eine Expansion in andere europäische Länder ist geplant. Nestlé-Läden in der Schweiz verwenden MIWA-Kapseln und ‑Becher für zwei Produkte: Purina Tiernahrung und Nescafé.

Laut Ivana Sobolikova, bei MIWA für den Bereich „Investor Relations and Impact“ zuständig, unterscheidet sich das digitalisierte System deutlich von den in Läden üblichen Lebensmittelspendern. Das MIWA-System bietet erhebliche Vorteile, vor allem für große Marken mit hohen Hygienestandards und strengen Qualitätskontrollen.

„Zunächst einmal hilft es bei der Verfolgung und Verwaltung des Kapselbestands. Das ist für jedes wiederverwendbare Verpackungssystem sehr wichtig. So wird sichergestellt, dass genau die richtige Anzahl von Kapseln und Bechern im Umlauf ist und keine verloren gehen. Die Produkte können auch leicht zurückverfolgt werden. Ist eine Produktcharge verunreinigt, lässt sich sehr leicht herausfinden, wo sich alle Kapseln dieser Charge befinden. Wir können die Waren ganz einfach zurückrufen oder sogar Kapseln sperren, die sich bereits im Regal befinden.“

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Ivana Sobolikova (links) und Petr Baca sind überzeugt: MIWA ist eine Antwort auf die Forderung der breiten Öffentlichkeit nach weniger Verpackungsmüll ©MIWA

„Das Timing ist gut“, so Ivana. MIWA hilft nicht nur Firmen, die Vorgaben zur Reduzierung von Verpackungsmüll zu erfüllen, sondern bringt auch viele Menschen ihrem Ziel näher, abfallfrei einzukaufen.

„Die Menschen wollen nachhaltiger leben, und das schließt nachhaltige Verpackungen ein“, meint sie.