Unser Planet wird immer wärmer und die Weltbevölkerung wächst, aber von einer Lösung sind wir noch weit entfernt. Dass solche globalen Herausforderungen globale Antworten erfordern, liegt auf der Hand. Dennoch hat die multilaterale Zusammenarbeit in den letzten Jahren gelitten. Die Weltmächte konzentrierten sich eher auf eigene Interessen.

Das jährliche Treffen des D20 Long-Term Investors Club diese Woche in Rom steht im Zeichen eines neuen Geistes der globalen Zusammenarbeit beim Klimawandel, der auf der UN-Generalversammlung und auf der New Yorker Klimawoche zu spüren war. 

Es bedarf umfangreicher Investitionen in Bereiche wie InfrastrukturInnovation und Umweltschutz, die im Wesentlichen öffentliche Güter sind. Gleichzeitig hat die wachsende Wirtschaft in Entwicklungsländern einen enormen Bedarf an Investitionen in Infrastrukturen aller Art geschaffen. Durch extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen und Waldbrände diesen Sommer ist zudem der Druck auf die Länder gestiegen, ihre bestehende Infrastruktur an die bereits spürbaren Folgen des sich wandelnden Klimas anzupassen.

Mit dem Grünen Deal stellt Europa viel Geld für Klima- und Umweltziele bereit: ein Drittel der zwei Billionen Euro aus seinem Sanierungsplan NextGenerationEU und dem langfristigen Haushalt. Aber selbst das reicht nicht. Um die Ziele des Pariser Abkommens und die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, sind jedes Jahr noch einmal zusätzliche Investitionen mindestens in derselben Höhe erforderlich. Bleiben diese Investitionen aus, wird es noch viel teurer. Das zeigt der diesjährige Bericht des Weltklimarats (IPCC). Gleichzeitig belegen Untersuchungen des Global Infrastructure Hub, dass die privaten Investitionen in neue Infrastrukturen in den letzten zehn Jahren von etwa 156 Milliarden Dollar im Jahr 2010 auf etwa 100 Milliarden Dollar im Jahr 2019 zurückgegangen sind. Das bedeutet, dass der Bedarf an langfristigen Investitionen steigt, und gleichzeitig der Anteil solcher Finanzierungen weltweit erhöht werden muss.

Die Covid-19-Pandemie, die die Welt seit fast zwei Jahren in Atem hält, hat das Investitionsproblem noch verschärft, denn sie hat den Druck auf die öffentlichen Haushalte erhöht und die Investitionsfähigkeit und -bereitschaft privater Unternehmen geschwächt. Multilateralen Entwicklungsbanken und öffentlichen Kreditgebern kommt deswegen eine besondere Rolle zu. Neue Modelle für öffentlich-private Partnerschaften und Maßnahmen für mehr Vertrauen in Investitionen sind gefragt, zumal die Regierungen auf der ganzen Welt mit kühnen Investitionsplänen versuchen, das Wachstum nach der Krise wieder anzukurbeln.

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Der D20 Long-Term Investors Club (D20-LTIC) vereint 18 große Finanzierungsinstitutionen mit öffentlichem Mandat aus aller Welt, hauptsächlich aus den G20-Staaten. Die Bilanzsumme des Clubs beläuft sich auf insgesamt 5,4 Billionen US-Dollar. Er wurde 2009 von einer Gruppe europäischer Entwicklungsbanken gegründet, darunter die Europäische Investitionsbank, die französische Caisse des Dépôts, die italienische Cassa Depositi e Prestiti und die deutsche KfW. Sein Ziel ist es, gleich gesinnte Einrichtungen aus aller Welt zusammenbringen, um ihre gemeinsame Rolle als langfristige Investoren zu bekräftigen, die Zusammenarbeit zu fördern und gute Bedingungen für langfristige Investitionen zur Wachstumsförderung zu schaffen.

Da die Zahl ihrer Mitglieder über die Jahre gestiegen ist, orientiert sich die Gruppe stärker an den Prioritäten der G20-Staaten. Gleichzeitig bleibt sie ihrer ursprünglichen Funktion als Forum der Zusammenarbeit für langfristige Investoren treu. Den Vorsitz der Gruppe hat derzeit der Präsident der Europäischen Investitionsbank Werner Hoyer inne. Ausrichterin der Konferenz diese Woche in Rom ist die Cassa Depositi e Prestiti, die Entwicklungsbank Italiens, das den diesjährigen Vorsitz der G20 führt. Der Schwerpunkt des Gipfels liegt auf dem Thema: „Finanzierung von Infrastruktur für den Aufschwung: Die Rolle der öffentlich-privaten Zusammenarbeit bei der Sicherung eines langfristigen, nachhaltigen Wachstums.“ Neben den Kreditgebern nehmen führende Politikerinnen und Politiker wie der EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni, der italienische Finanzminister und die indonesische Finanzministerin teil. Auf der Tagesordnung stehen Themen, bei denen ein koordiniertes und komplementäres Vorgehen der Kreditgeber große Wirkung zeigen könnte, wie z. B. nachhaltige Infrastruktur, nachhaltige Finanzierungen und die Stimulierung von Infrastrukturinvestitionen des Privatsektors.

Die Gruppe wird auch über die eigene Zukunft diskutieren. Da langfristige Finanzierungen immer wichtiger werden, um die derzeit größten Herausforderungen der Menschheit zu bewältigen, und die Mitglieder der Gruppe einen beträchtlichen kollektiven Einfluss ausüben, strebt der D20 Long-Term Investors Club eine engere Zusammenarbeit mit multilateralen Organisationen wie der G20 und der OECD an. Eine stärkere globale Abstimmung dieser Art ist dringender denn je, wenn wir das gewaltige Ausmaß der gemeinsamen Probleme der Welt bewältigen wollen.