Die EIB legt erstmals Nachhaltigkeitsanleihen auf und finanziert damit Projekte, die den UN-Entwicklungszielen dienen.

Dunkle Wolken hingen am Himmel, als Werner Hoyer im Januar bei UN-Generalsekretär António Guterres in New York im Büro saß. Der Regen klatschte nur so gegen die Fenster. Nicht einmal die Skyline von Manhattan konnte der Präsident der Europäischen Investitionsbank draußen noch erkennen.

Aber drinnen brachten die Gespräche Licht und Klarheit: Die Bank der EU werde eine Führungsrolle bei der Finanzierung der 17 UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung übernehmen, sagte Hoyer Guterres zu. Sie werde dazu auch ein neuartiges Finanzierungsinstrument begeben: eine Nachhaltigkeitsanleihe.

„Wir möchten einen Paradigmenwechsel in der Entwicklung herbeiführen“, so Hoyer, der bereits im Juli 2017 mit Guterres über nachhaltige Investitionen gesprochen hatte. „Mit unseren neuen Nachhaltigkeitsanleihen werden wir eine neue Diskussion über nachhaltige Entwicklung anstoßen.“ 

Bewusstsein schaffen

Nur neun Monate später ist es soweit: Am 6. September hat die EIB ihre erste Nachhaltigkeitsanleihe über 500 Millionen Euro begeben. Die aufgenommenen Gelder sollen in soziale, ökologische und nachhaltige Projekte auf der ganzen Welt fließen.

Sechs Billionen US-Dollar an neuen Investitionen – so hoch ist der geschätzte Bedarf, um die UN-Ziele zu erreichen, die Armut, Lebensstandards, sauberes Wasser, Bildung, Gesundheitsversorgung, globale Erwärmung, Geschlechtergleichheit, soziale Gerechtigkeit und andere Bereiche betreffen. Die EIB hat sich zu diesen Zielen verpflichtet, die 2015 von den UN-Mitgliedern beschlossen wurden.

„Die Bank setzt schon seit Langem 25 Prozent ihrer Gelder für den Klima- und Umweltschutz ein; das ist unser Auftrag“, sagt EIB-Volkswirtin Patricia Castellarnau, die als Wasserexpertin an der Entwicklung der neuen Anleihen beteiligt war. „Die Nachhaltigkeitsanleihen sind ein zusätzlicher Anreiz für uns, nach Projekten Ausschau zu halten, die besonders nachhaltig wirken.

Die aufgenommenen Mittel sollen zunächst in die Trinkwasserversorgung, in Abwasserprojekte und in den Hochwasserschutz fließen. Später sollen auch Projekte in anderen Bereichen wie Gesundheitsversorgung, Bildung oder Gleichstellung der Geschlechter finanziert werden.

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Mit 450 Millionen Euro für die Verbesserung des Abwassernetzes im Ruhrgebiet hat die EIB mehr als zwei Millionen Menschen im Nordwesten Deutschlands geholfen. ©Christof Roche/EIB

Wasser marsch!

Die EIB ist der weltweit größte Geldgeber im Wassersektor. Mehr als 66 Milliarden Euro hat die Bank bereits für über 1 400 Wasserprojekte bereitgestellt. Jedes Jahr unterzeichnet sie neue Kredite über insgesamt drei Milliarden Euro in diesem Bereich.

„Wenn wir das Wasser näher zu den Menschen bringen, können wir viele UN-Ziele auf einmal erreichen“, erklärt Marius Cara, der bei der EIB für Investor Relations zuständig ist. „Die Menschen gewinnen Zeit für anderes. Statt 15 Kilometer zum nächsten Brunnen zu laufen, bekommen sie das Wasser aus dem Hahn. Dann können sich die Mütter um ihre Kinder kümmern, und die Kinder können zur Schule gehen, weil sie nicht mehr Wasser holen müssen.

Direkte Verbindung zu grünen Anleihen

Mit ihrem Fokus auf Nachhaltigkeit ähneln die neuen Anleihen den Klimaschutzanleihen der EIB. Sie richten sich an Anleger, denen die Umwelt und soziale Belange am Herzen liegen – und sie wollen für diese Themen sensibilisieren. Mit Nachhaltigkeitsanleihen werden Projekte finanziert, die die Bedürfnisse künftiger Generationen im Auge haben.

„Heute achten private und institutionelle Anleger genauer darauf, wo sie ihr Geld investieren“, erklärt Marco Beros, der als leitender Wasseringenieur bei der EIB tätig ist. „Die Menschen wollen ihr Geld in etwas Gutes stecken. Deshalb entwickeln wir die neuen Anleihen.“

Bisherige Erfolge als Grundlage

Die EIB baut bei ihren Nachhaltigkeitsanleihen auf dem Erfolg ihrer grünen Anleihen auf, bei denen sie weltweit Vorreiter ist. Vor elf Jahren hat die Bank den Markt für Anlagen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz geschaffen, der heute eine breite Auswahl an sozialen und grünen Anleihen bietet. Mehr als 23 Milliarden Euro hat die EIB bislang mit grünen Anleihen in elf Währungen aufgenommen. Sie hat einen Markt mit aufgebaut, der inzwischen ein Jahresvolumen von 200 Milliarden US-Dollar erreicht hat.

Klare Richtlinien, Rechenschaft und Transparenz haben viel zum Erfolg der grünen Anleihen beigetragen. Die EIB berichtet an die Anleger und weist nach, dass die Gelder in Umweltprojekte fließen. Genauso wird sie es auch bei den Nachhaltigkeitsanleihen handhaben: Die Bank wird umfassend über die Projektergebnisse informieren – etwa, wie viele Menschen dadurch Zugang zu fließendem Wasser oder Anschluss an die Kanalisation erhalten haben.

„Anleihen wirken sich nicht direkt auf das Leben der Menschen aus, aber die Projekte schon“, sagt Eila Kreivi, die das Kapitalmarktgeschäft der EIB leitet. „Mit den Nachhaltigkeitsanleihen machen wir deutlich, was wir tun – vor allem aber, wie wir es tun, was wir bewirken wollen und woran wir den Erfolg messen. Und dies werden wir allen offenlegen.“

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Wasserprojekte helfen, mehrere UN-Ziele gleichzeitig zu erreichen: die Beseitigung von Hunger, eine bessere Gesundheitsversorgung, die Gleichstellung der Geschlechter und andere mehr. ©cc

Besonders wirkungsvolle Investitionen

Mit den neuen Anleihen sollen besonders wirkungsvolle Projekte finanziert werden, die Tausenden Menschen in Ländern wie Malawi zugutekommen.

„Malawi steht vor dem gleichen Problem, wie viele andere Entwicklungsländer: Abertausende ziehen in die überfüllten Slums der Großstädte. Ihr Wasser müssen sie oft von Brunnen holen, die weit entfernt oder mangels geeigneter Abwasserentsorgung verunreinigt sind“, erzählt Thomas van Gilst, der bei der EIB die Abteilung Wassersicherheit leitet.

Ein Beispiel für besonders wirkungsvolle Wasserprojekte der EIB ist ein Kredit über 37 Millionen Euro, mit dem Burkina Faso die Wasserversorgung verbessert und eine Wasseraufbereitungsanlage für die Hauptstadt Ougadougou gebaut hat. 500 000 Menschen haben dadurch sauberes Trinkwasser erhalten. Ein weiteres Projekt im Ruhrgebiet dient dem Schutz von Wasserressourcen für über zwei Millionen Menschen im Nordwesten Deutschlands.

 „Mit dem Kauf unserer grünen Anleihen tun Anleger etwas Gutes für das Klima und für erneuerbare Energien“, so Wasseringenieur Beros. „Ganz in diesem Sinne werden wir dafür sorgen, dass mit unseren neuen Anleihen Gutes für die nachhaltige Entwicklung unseres Planeten getan wird.“